Wissenswertes über Viagra

Über die blaue Pille in der Rautenform ranken sich inzwischen zahlreiche Legenden und Geschichten, die teilweise unfassbar und geradezu skurril anmuten. Fest steht, Viagra und all seine Verwandten können mehr, als nur für die nötige Standfestigkeit im Schlafzimmer zu sorgen. Einige der interessantesten Fakten über das Präparat sollen an dieser Stelle einmal vorgestellt werden.

Die Entdeckung der Wunderpille

Das US-amerikanische, pharmazeutische Unternehmen Pfizer hatte vor nunmehr über 15 Jahren gar nicht die Absicht gehabt, ein Mittel gegen Erektionsstörungen auf den Markt zu bringen. Tatsächlich testeten sie den Wirkstoff Sildenafil aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer eigentlich darauf, wie es den Blutdruck der Probanden senken kann und um ein Heilmittel gegen eine Angina Pectoris zu entwickeln. Die Testphasen und dazugehörigen Studien scheiterten auf ganzer Linie. Nicht einer der Probanden konnte von seinen Blutdruckbeschwerden befreit werden. Die Untersuchung drohte bereits abgebrochen zu werden, als plötzlich eine interessante Nebenwirkung bei den Testpersonen festgestellt werden konnte. Unter den Männern befanden sich zufällig auch einige, die seit Jahren unter einer erektilen Dysfunktion, also an Potenzproblemen, litten. Diese Männer waren nach der Einnahme des Präparates zu ihrer eigenen Freude und zur Freude ihrer Partnerinnen nun wieder in der Lage, eine Erektion aufzubauen und den Geschlechtsverkehr bis zum Orgasmus durchzuführen. Diese Form der Wunderheilung konnte nach weiteren Untersuchungen eindeutig auf den Wirkstoff Sildenafil zurückgeführt werden. Zudem berichteten auch die gesunden Männer, die nie an einer Erektionsstörung gelitten hatten, dass sie während der Studie leistungsfähiger und ausdauernder im Bett gewesen wären. Da ging den Forschern schließlich ein Licht auf. Sie hat mitnichten einen Wirkstoff gegen Bluthochdruck entdeckt. Der Wirkstoff sorgte zwar für eine weitaus bessere Durchblutung, doch darüber hinaus setzte er zudem Botenstoffe frei, die für eine Erektion notwendig waren. Nun hatte die Sternstunde des Pharmahauses geschlagen, die Geburt des inzwischen bekanntesten und wirksamsten Potenzmittels der Welt war eingeläutet – Viagra.

Das Geheimnis der Probanden

Nachdem nun sicher festgestellt wurde, dass Sildenafil zur Senkung des Blutdrucks ungeeignet war, konnte die Studie in dieser Richtung beendet werden. Natürlich mussten die übriggebliebenen Pillen und Präparate von den Probanden wieder eingesammelt werden. Immerhin handelte es sich dabei ausschließlich und Versuchspräparate, die außerhalb der Testläufe nicht eingesetzt werden durften. Doch in diesem Fall ergaben sich einige Schwierigkeiten. Die Probanden weigerten sich strikt, ihre restlichen Tabletten wieder rauszurücken. So etwas war dem Pharmaunternehmen bis dato noch nie passiert. Was die Probanden mit den Medikamenten angestellt haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Doch sicherlich werden sie sie nicht irgendwo versteckt, sondern schleunigst aufgebraucht haben.

Der Placebo-Effekt

Mit der Zeit wurde das Präparat immer weiter entwickelt und auf die Bedürfnisse bei einer erektilen Dysfunktion angepasst. 1998 schließlich kam das Medikament unter dem Namen Viagra auf den Markt. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer und gewann einen gewaltigen Bekanntheitsgrad. Natürlich wurden auch nach der Markteinführung weitere Testreihen durchgeführt. In einer der Studien wurden über 4000 Männer untersucht. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt das Medikament Viagra, die andere Hälfte diente lediglich als Kontrollgruppe und erhielt ein eigentlich wirkungsloses Placebo. Das Erstaunliche daran ist, dass selbst 20 Prozent der Kontrollgruppe, die nur die blaue Zuckerpille erhalten hatte, der Meinung waren, eine Wirkung erzielt zu haben. Auch diese Männer berichteten von einer gestiegenen Erektionsfähigkeit, die bis zum Orgasmus führte, obwohl sie zuvor lange einer Potenzstörung gelitten hatten. Des Rätsels Lösung ist der sogenannte Placebo-Effekt. Allein der Name Viagra und die Vorstellung ein starkes Potenzmittel einzunehmen, beflügelte die Studienteilnehmer derart, dass sie wieder zu einer sexuellen Leistung fähig waren. Dies ist in erster Linie auch ein großer Verdienst der Marketingabteilung des Unternehmens, welches den Ruf der blauen Wunderpille so gekonnt und intensiv in die Männerköpfe der Welt hinausgetragen hat. Hut ab!

Die Beschwerden der Ehefrauen

Trotz der enormen Erfolge und der nachweislichen Wirksamkeit bei einem Großteil der Patienten, die inzwischen das Medikament einnehmen, erwies sich das Potenzmittel als Segen und Fluch zugleich. Während die Männer nun endlich wieder aufatmen und im Bett die gewünschte Leistung bringen konnten, ging ein Stöhnen durch die Frauenwelt. Die Ehefrauen der Viagra-Patienten waren zum Teil ganz und gar nicht erfreut über die neu erwachte Manneskraft. Vor allem diejenigen, die sich längst in den sexlosen Alltag mit ihrem Mann eingelebt hatten, waren plötzlich überfordert mit der ungewohnten Situation. In Scharen wandten sie sich an die Ärzte ihrer Männer, um das Mittel wieder abzusetzen. Inzwischen empfehlen Mediziner, die Frauen der Patienten stets in die Behandlung mit einzubeziehen. Vor allem an der Dosierung muss gearbeitet werden, damit beide Seiten mit der manchmal ungewöhnlich neuen Lage umgehen können.

Viagra für Frauen

Neben den Frauen, die mit der Potenz aus der Pille wenig anfangen können, gibt es jedoch auch diejenigen, die ebenfalls lange auf ein solches Medikament gewartet haben. Was die Medien in diesem Zusammenhang kaum thematisieren, sind die Potenzprobleme bei Frauen. Auch die holde Weiblichkeit leidet mitunter an sexueller Unlust und verminderter Orgasmusfähigkeit. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Pharmazindustrie auch dieses Problem angehen würde. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass sich der männliche und weibliche Körper in dieser Hinsicht erstaunlich homogen verhalten. Auch bei den Frauen liegt die Ursache in der schlechten Durchblutung und in einer gehemmten Ausschüttung wichtiger Botenstoffe begründet und auch bei den Frauen erwies sich der PDE-5-Hemmer Sildenafil als sehr wirkungsvoll. Der Beckenboden und die Vagina wurden besser durchblutet, was zum einen die sexuelle Reizbarkeit erleichterte und zum anderen endlich zum ersehnten Orgasmus führen konnte. Angepasst an die Bedürfnisse der Weiblichkeit kam das Viagra für die Frau unter dem wohlklingenden Namen Lovegra auf den Markt.

Blaue Pille gegen Fehlgeburt

Kaum zu glauben aber wahr, Viagra, oder vielmehr sein Wirkstoff, wird auch in der Gynäkologie angewandt. Ärzte fanden nämlich heraus, dass sich schon kleinste Mengen dieser Arznei auf die Entwicklung der Gebärmutter auswirken können. So wird Viagra vor allem bei einer verengten Gebärmutter eingesetzt, in der sich der Fötus nicht richtig entwickeln kann und eine Fehl- oder Frühgeburt droht, die verhindert werden soll. Das Sildenafil sorgt dafür, dass die Gebärmutter besser durchblutet wird und mehr Sauerstoff zu dem ungeborenen Kind transportiert werden kann. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff den Ausbau der Gebärmutterschleimhaut positiv beeinflusst. Somit ist es im besten Falle möglich, eine Frühgeburt hinauszuzögern und dem Kind wenigstens ein bisschen mehr Zeit für eine natürliche Entwicklung zu verschaffen.

Die Gedächtnisstütze

Viagra scheint ein echter Alleskönner zu sein. Immer mehr Tests und Studien werden mit diesem Wirkstoff durchgeführt und es stellen sich zahlreiche weitere positive Eigenschaften heraus. So soll es unter anderem auch einen gehörigen Einfluss auf die Denkfähigkeit der Probanden haben. Sowohl die Merkfähigkeit als auch die Konzentration sollen nach Einnahme der Präparate deutlich angestiegen sein.

Viagra für den Blumenstrauß

Nicht nur auf den Menschen lässt sich der Wirkstoff Sildenafil anwenden, auch Pflanzen wurden in dieser Hinsicht untersucht. So ergab eine Studie, dass sich bereits ein Bruchteil einer einzigen Viagrapille positiv auf einen Strauß Rosen ausgewirkt haben soll. Diese waren mehr als eine Woche länger haltbar, als die Rosen, die ohne das Viagra-Wasser in die Vase gestellt wurden. Auch Erdbeeren und andere Pflanzen sollen deutlich mehr Standfestigkeit und Haltbarkeit unter Anwendung des Präparates gezeigt haben.

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